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Wissen  ·  Wohngebäude

iSFP in Hamburg erklärt: Ablauf, Förderung, Nutzen

Für Eigentümer von Einfamilien- und Zweifamilienhäusern

Von Benjamin Barge · Stand: 03.11.2026 · Lesezeit ca. 8 Minuten

Der individuelle Sanierungsfahrplan (iSFP) ist ein BAFA-gefördertes Beratungsformat — bringt Sanierungsmaßnahmen in Reihenfolge und verdoppelt bei der Umsetzung größerer Vorhaben die förderfähigen Kosten in der BEG EM.

Ergebnis ist ein standardisierter BAFA-Bericht. In Hamburg ergänzt sich der iSFP gut mit den IFB-Programmen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der individuelle Sanierungsfahrplan (iSFP) ist eine BAFA-geförderte Energieberatung mit Maßnahmen-Roadmap für bis zu 15 Jahre.
  • Das BAFA bezuschusst die Beratung. Bei der Umsetzung verdoppeln sich in der BEG-EM-Förderung die förderfähigen Kosten, und der Teil über der regulären Höchstgrenze erhält 20 statt 15 % — seit 21.07.2026 erst ab 30.000 € förderfähigen Kosten.
  • Der Bonus setzt voraus, dass der geförderte iSFP bei Antragstellung der Maßnahme vorliegt; für den Heizungstausch gibt es ihn nicht.
  • In Hamburg lassen sich iSFP-Maßnahmen oft zusätzlich über IFB-Programme fördern.

Was ist ein iSFP?

Der iSFP ist eine durch das BAFA standardisierte und geförderte Energieberatung für selbstgenutzte oder vermietete Wohngebäude. Ergebnis ist ein PDF-Bericht mit zwei Hauptteilen:

  • „Mein Sanierungsfahrplan" — die Kundenfassung, kompakt und anschaulich. Zeigt den Status quo des Gebäudes, schlägt eine Maßnahmen-Reihenfolge vor und stellt zwei Sanierungsstränge zur Wahl: schrittweise Einzelmaßnahmen oder Komplettsanierung.
  • „Umsetzungshilfe" — die ausführliche Fachfassung. Enthält die Energiebilanz nach DIN V 18599 oder DIN 4108-6, die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung jeder Maßnahme und konkrete technische Hinweise (Bauteilaufbau, U-Werte, Förderzuordnung).

Beide Teile sind durch die BAFA-Vorlage formatiert — das stellt sicher, dass jeder iSFP nach gleichen Regeln aufgebaut ist und Folge-Anträge auf BEG EM den Bonus ohne formale Hürden auslösen.

Ablauf in fünf Schritten

  1. Erstgespräch und Beratungsauftrag. Klärung von Anlass, Datenlage und Förderpfad. Bei einem iSFP ist der Energieeffizienz-Experte (EEE) namentlich zu benennen — er muss in der dena-EEE-Liste für „Energieberatung für Wohngebäude" eingetragen sein.
  2. BAFA-Antrag. Der Berater stellt den Antrag auf Beratungsförderung. Bewilligungsdauer typisch 4–6 Wochen. Erst nach Bewilligung darf die eigentliche Beratungsleistung mit Rechnung beginnen.
  3. Vor-Ort-Termin und Datenaufnahme. Bauteilaufnahme der Hülle (Wand, Dach, Fenster, Bodenaufbau), Heizungsanlage (Wärmeerzeuger, Verteilung, Heizflächen), Lüftung, Warmwasser, ggf. PV/Solar. Foto-Dokumentation, U-Wert-Bestimmung an kritischen Bauteilen.
  4. Bilanzierung und Maßnahmenkonzept. Erstellung der Energiebilanz, Wirtschaftlichkeits­berechnung pro Maßnahme, Erarbeitung der Maßnahmen-Reihenfolge. Typische Bearbeitungsdauer 2–4 Wochen nach Vor-Ort-Termin.
  5. Kundengespräch und Übergabe. Vorstellung des Berichts, Klärung von Rückfragen, Diskussion der Reihenfolge. Übergabe als PDF und ggf. ausgedruckt. Anschließend: Schlussrechnung an Kunden, Verwendungsnachweis an BAFA.

Gesamtdauer vom Erstgespräch bis Übergabe: typisch 3–6 Wochen nach BAFA-Bewilligung, je nach Datenlage und Gebäudegröße. Bei MFH eher 4–8 Wochen. Mehr zum Detail-Ablauf: iSFP-Leistungsseite.

Förderung: BAFA EBW + iSFP-Bonus auf BEG EM

Der iSFP wird über das BAFA-Programm Energieberatung für Wohngebäude (EBW) gefördert. Konditionen für die Beratungsförderung (Stand November 2026):

  • EFH/ZFH (max. 2 Wohneinheiten): 50 % der förderfähigen Beratungskosten, maximal 650 €.
  • MFH (ab 3 Wohneinheiten): 50 % der förderfähigen Beratungskosten, maximal 850 €.
  • WEG-Zusatzbonus für die Eigentümerversammlung: bis zu 250 € zusätzlich, einmalig pro WEG, wenn der Berater die Ergebnisse in der Eigentümerversammlung erläutert.
  • Die EBW-Richtlinie ist bis 31.12.2026 befristet; es zählt das Datum der Antragstellung.

Der zweite Förder-Hebel kommt erst bei Umsetzung. Wer eine Maßnahme aus dem iSFP über BEG EM beantragt, erhält seit dem 21.07.2026 (Richtlinie BEG EM, Nr. 8.4.2):

  • Doppelte Kostengrenze: Förderfähig sind je Kalenderjahr bis zu 60.000 € statt 30.000 € (Einfamilienhaus; im Mehrfamilienhaus je Wohneinheit 30.000 statt 15.000 € bzw. ab der siebten 15.000 statt 8.000 €).
  • 5 Prozentpunkte Bonus nur auf den Mehrbetrag: Die ersten 30.000 € werden mit 15 % gefördert, nur der Teil darüber mit 20 %. Unter 30.000 € förderfähigen Kosten gibt es keinen Bonus; im Mehrfamilienhaus liegt die Schwelle bei der regulären Höchstgrenze des Gebäudes.
  • Gilt für: Dämmung, Fenster und Türen, Anlagentechnik wie Lüftung sowie Heizungsoptimierung — nicht für den Heizungstausch.

Der Bonus gilt für Maßnahmen, die innerhalb von 15 Jahren nach iSFP-Erstellung umgesetzt werden — die Frist deckt jeden realistischen Sanierungszeitraum ab. Der iSFP muss bei Antragstellung vorliegen, und die EBW-Förderung muss vor dem Verwendungsnachweis der Maßnahme ausgezahlt sein.

Rechenbeispiel: EFH in Hamburg-Eimsbüttel

Ein typischer Fall: EFH Baujahr 1965, 140 m² Wohnfläche, unsanierte Außenhülle, Gas-Brennwertkessel 2010.

  • iSFP-Beratungskosten brutto: 2.300 € (Hamburg-typisch, 140 m² EFH, mittlerer Aufwand)
  • BAFA-EBW-Zuschuss (50 %, max. 650 €): −650 €
  • Kundenanteil iSFP: 1.650 €

Plant der Eigentümer Maßnahmen aus dem iSFP über die nächsten 8 Jahre:

  • Fenstertausch 32.000 € (förderfähig, brutto; ein Kalenderjahr): ohne iSFP 15 % auf 30.000 € = 4.500 €; mit iSFP 15 % auf 30.000 € + 20 % auf 2.000 € = 4.900 €. Mehrförderung: 400 €
  • Fassadendämmung 38.000 € (anderes Kalenderjahr): ohne iSFP 4.500 €; mit iSFP 4.500 € + 20 % auf 8.000 € = 6.100 €. Mehrförderung: 1.600 €
  • Dachdämmung 18.000 €: unter 30.000 € — mit und ohne iSFP 15 % = 2.700 €. Mehrförderung: 0 €

Summe Mehrförderung mit iSFP: 2.000 € — knapp über dem Kundenanteil von 1.650 € für die Beratung. Deutlich mehr bringt der iSFP, wenn Maßnahmen gebündelt werden: Fenster und Fassade als ein Vorhaben im selben Kalenderjahr (zusammen 70.000 €) ergeben ohne iSFP 4.500 €, mit iSFP 15 % auf 30.000 € + 20 % auf 30.000 € = 10.500 € — 6.000 € mehr. Daneben liefert der iSFP eine belastbare Maßnahmen-Reihenfolge, Wirtschaftlichkeitsrechnung und Fördermittel-Logik.

Wann lohnt sich der iSFP — und wann nicht?

Lohnt sich:

  • Mehrjähriger Sanierungsplan mit größeren Einzelmaßnahmen über BEG EM (Dämmung, Fenster, Lüftung, Heizungsoptimierung) — finanziell vor allem, wenn ein Vorhaben 30.000 € übersteigt.
  • Unklare Reihenfolge: Was zuerst — Hülle, Heizung, Lüftung? Welche Maßnahme schlägt welche aus?
  • Vor einem Hauskauf, um die Sanierungs-Logik des Gebäudes zu verstehen, bevor der Kaufpreis verhandelt ist.
  • Bei WEG, weil der iSFP eine beschluss-fähige Grundlage für die Eigentümer­versammlung liefert.
  • Bei Eigentümern, die nicht den Steuerbonus § 35c EStG nutzen können (z. B. Vermieter, niedrige Steuerlast).

Lohnt sich tendenziell nicht:

  • Nur eine einzelne Maßnahme geplant (z. B. nur Heizungstausch ohne Folge-Maßnahmen) — hier reicht eine direkte BEG-Beratung.
  • Gebäude bereits weitgehend energetisch saniert und keine wesentlichen Maßnahmen geplant.
  • Nur kleinere Maßnahmen unter 30.000 € je Vorhaben geplant — dann gibt es keinen iSFP-Bonus, der Nutzen liegt allein in Reihenfolge und Planung.
  • Eigentümer plant Verkauf in < 3 Jahren — der iSFP-Bonus rechnet sich nur, wenn auch tatsächlich Maßnahmen umgesetzt werden.

Hamburger Spezifika

Der iSFP funktioniert bundeseinheitlich, aber im Hamburger Kontext kommen drei Besonderheiten dazu:

  • IFB-Kombination: Maßnahmen aus dem iSFP lassen sich in vielen Fällen ergänzend über IFB-Programme finanzieren — typisch IFB Wärmeschutz für Hüllen-Maßnahmen, IFB Erneuerbare Wärme für Heizungs-Maßnahmen, IFB-WEGfinanz für MFH. Der iSFP dokumentiert die Maßnahmenlogik, die für IFB-Anträge meist verlangt wird.
  • Kommunale Wärmeplanung: Hamburg ist in der kommunalen Wärmeplanung weit. In manchen Quartieren ist ein Fernwärme-Anschluss perspektivisch möglich — der iSFP sollte das mit prüfen und in die Heizungsstrategie einbeziehen, bevor eine eigene Wärmepumpe geplant wird.
  • Denkmalschutz und Gestaltungssatzungen: Einzelne Hamburger Bezirke haben Gestaltungssatzungen, die Außendämmung oder Fenstertausch einschränken. Der iSFP berücksichtigt diese Rahmen­bedingungen — sonst stehen die Maßnahmen auf dem Papier, aber nicht in der Baugenehmigung.

Häufige Fehler bei iSFP-Erstellung und Umsetzung

  • Auftragsbestätigung vor BAFA-Bewilligung: Häufigster formaler Fehler. Beratungsleistung darf zwar vorbereitet werden, abgerechnet werden darf erst nach BAFA-Bewilligung — die Praxis bei seriösen Beratern ist deshalb: BAFA-Antrag zuerst, dann Vor-Ort-Termin.
  • Falscher Berater: Nur Berater in der dena-EEE-Liste für „Energieberatung Wohngebäude" sind berechtigt. Beratung von einem nicht gelisteten Energieberater ist nicht förderfähig.
  • iSFP-Bonus-Frist verpasst: Maßnahmen, die mehr als 15 Jahre nach iSFP-Erstellung umgesetzt werden, lösen den Bonus nicht mehr aus. In der Praxis selten — aber bei langen Sanierungsplänen wichtig.
  • Reihenfolge ignoriert: Wer die im iSFP empfohlene Reihenfolge übergeht, verliert nicht den Bonus, aber unter Umständen die technische Stimmigkeit. Beispiel: Wärmepumpe vor Hüllen-Sanierung kann zu überdimensionierter Anlage führen — der iSFP zeigt, wie sich beides ineinander fügen lässt.
  • Maßnahmen-Bündelung im Vertrag: Wer Fenster + Dach in einem Vertrag mit einem Handwerksbetrieb bündelt, hat zwei Maßnahmen mit zwei Förderanträgen — die Rechnung muss klar trennen, sonst gibt es Rückfragen vom BAFA.

Zusammenfassung

Der iSFP ist für Eigentümer mit mehrjährigem Sanierungs­vorhaben eines der effektivsten Förderinstrumente: BAFA-bezuschusst, mit doppelten Kostengrenzen und Bonus für größere BEG-EM-Vorhaben ab 30.000 €, in Hamburg gut kombinierbar mit IFB. Voraussetzung ist ein EEE-gelisteter Berater, eine saubere Antragsreihenfolge und die ehrliche Frage: Werden tatsächlich Maßnahmen umgesetzt — oder bleibt der Plan in der Schublade? Im ersten Fall lohnt er sich meist — finanziell vor allem bei Vorhaben über 30.000 €. Im zweiten nicht.


Passt ein iSFP zum Vorhaben?

Im Erstgespräch klären wir, ob ein iSFP für das Gebäude sinnvoll ist — und welche Förderkette ihn umrahmt.

Sanierungsfahrplan anfragen

Quellen und Stand

Stand: 03.11.2026. Grundlage sind die BAFA-Förderrichtlinie „Energieberatung für Wohngebäude (EBW)" vom 31.05.2023 in der Fassung vom 06.08.2024, die Richtlinie BEG Einzelmaßnahmen vom 17.08.2026 (BAnz AT 27.08.2026 B1, gültig ab 21.07.2026; iSFP-Bonus nach Nr. 8.4.2), die BAFA-Programmseite Gebäudehülle (abgerufen 03.11.2026), die dena-Vorgaben zum iSFP-Aufbau und die aktuellen IFB-Hamburg-Programmrichtlinien.

Dieser Artikel ersetzt keine individuelle Energieberatung, Rechts- oder Steuerberatung. Förderkonditionen und gesetzliche Vorgaben können sich kurzfristig ändern — bitte aktuelle Quellen prüfen oder direkt bei BAFA, KfW oder IFB Hamburg anfragen.

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