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Wissen  ·  Bilanzierung & Normen

DIN V 18599 (2025): Neue DIN/TS-Reihe und Bilanzierungs-Updates

Was sich methodisch ändert — und ab wann es für Energieausweise gilt

Von Benjamin Barge · Stand: 22.10.2026 · Lesezeit ca. 6 Minuten

Kurzfassung Status (Stand 19.05.2026)

Für öffentlich-rechtliche Nachweise (Energieausweise, GModG-Nachweise, Förderanträge) gilt bis zum 31.12.2026 weiterhin DIN V 18599:2018-09; zum 01.01.2027 stellt das GModG auf die DIN/TS 18599:2025-10 um. Die im Oktober 2025 herausgegebene DIN/TS-Reihe ist eine technische Spezifikation und für öffentlich-rechtliche Nachweise noch nicht verbindlich — sie wird es mit der EPBD-Umsetzung des GModG zum 01.01.2027. Praxis-Übergang voraussichtlich Q3/Q4 2026.

Die DIN V 18599 ist die zentrale Bilanzierungsnorm für Wohn- und Nichtwohngebäude. Im Oktober 2025 ist sie als DIN/TS 18599 neu herausgegeben worden — mit methodischen Anpassungen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Für öffentlich-rechtliche Nachweise wie Energieausweise gilt bis zum 31.12.2026 die DIN V 18599:2018-09.
  • Ab dem 01.01.2027 verweist das Gebäudemodernisierungsgesetz auf die DIN/TS 18599:2025-10 — dann ist sie die Berechnungsgrundlage.
  • Vorhandene Energieausweise behalten ihre Gültigkeit von zehn Jahren ab Ausstellung.

Neue Referenzgrößen, geänderte Modulstruktur. Verbindlich wird das mit der zweiten Stufe des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG) zum 01.01.2027.

Aktueller Stand: Was gilt rechtlich?

Das Gebäudemodernisierungsgesetz (bis 28.07.2026 Gebäudeenergiegesetz) verweist in seinen Anlagen bis zum 31.12.2026 auf die DIN V 18599:2018-09. Diese Fassung ist bis dahin für alle öffentlich-rechtlichen Nachweise verbindlich:

  • Energieausweise (Bedarfsausweis WG und NWG)
  • GModG-Nachweise für Neubau und Bestandsmodernisierung
  • Förderanträge (KfW BEG WG/NWG, BAFA EBW/EBN)
  • Sanierungskonzepte (Modul 2 NWG)
  • Bilanzierungen für ESG-/Taxonomie-Bewertungen, soweit sie auf DIN V 18599 aufsetzen

Bis zum 31.12.2026 bleibt die DIN-Fassung von 2018 die Pflichtgrundlage; erst Artikel 2 des Änderungsgesetzes stellt die Verweise zum 01.01.2027 auf die DIN/TS 18599:2025-10 um. Eine vorzeitige Anwendung der DIN/TS 2025 für Pflichtnachweise ist formal nicht zulässig.

Was die DIN/TS 18599 (2025) strukturell bringt

Die DIN/TS-Reihe behält die grundsätzliche Modulstruktur (Teile 1 bis 13), passt aber Inhalte an die EU-Vorgaben aus der novellierten Gebäuderichtlinie (EPBD 2024) an und schärft die Berechnungsmethoden. Schwerpunkte der Überarbeitung:

Primärenergiefaktoren und Referenzgebäude

  • Aktualisierte Primärenergiefaktoren für Strom, Fernwärme, Erdgas und biogene Brennstoffe — angepasst an die aktuelle Erzeugungsstruktur und an Klimaneutralitäts-Pfade
  • Neudefiniertes Referenzgebäude — Grundlage für die A-G-Klassifizierung und für die Sanierungspflicht-Schwellen ab 2030
  • Stärkere Gewichtung von Treibhausgas-Emissionen neben dem reinen Primärenergiebedarf

Anlagentechnik-Module

  • Erweiterte Modellierung für Wärmepumpen (Niedrigtemperatur-Eignung, JAZ-Methodik)
  • Aktualisierte Beleuchtungs-Bewertung (Teil 4) für LED-Standard und Tageslicht-Nutzung
  • Verfeinerte RLT-Bilanzierung (Teile 3 und 7) für moderne Anlagentypen

Bilanzgrenzen und Bewertungsmethodik

  • Klarere Regeln zur Zonierung bei gemischter Nutzung
  • Berücksichtigung von Lebenszyklus-Emissionen als optionales Modul (Whole-Life-Carbon)
  • Konsistentere Behandlung von Eigenstromnutzung aus Photovoltaik

Bis zum 31.12.2026 ist die DIN/TS 2025 für öffentlich-rechtliche Nachweise ein Vorbereitungsdokument, keine Anwendungsnorm.

Wechselwirkung mit dem GModG

Das Änderungsgesetz vom 23.07.2026 (BGBl. 2026 I Nr. 226) setzt mit Artikel 2 die EPBD um; dieser Teil tritt am 01.01.2027 in Kraft. Mit ihm kommen:

  • Die A-bis-G-Skala für NWG-Energieausweise (Klasse A bis 1,0, Klasse G über 3,5 × Referenzgebäude)
  • Die Verweisanpassung in den GModG-Anlagen auf die neue DIN/TS 18599:2025-10
  • Erweiterte Pflichtangaben im Ausweis (u. a. betriebsbedingte Treibhausgasemissionen, je eine Ja/Nein-Angabe zur Reaktion auf externe Signale und zum Betrieb der Wärmeverteilung mit niedrigen Temperaturen)
  • Die NWG-Sanierungspflicht ab 2030 (≤ 3,5 × Referenz) und ab 2033 (≤ 2,95 × Referenz) — mit Ausnahmen, etwa bei Baujahr ab 1996, Fernwärme oder überwiegender Versorgung mit Wärmepumpe oder Biomasse

Bis Ende 2026 bleibt die DIN/TS 2025 freiwillig — ab dem 01.01.2027 ist sie die Anwendungsbasis.

Übergangszeit — was bedeutet das praktisch?

Drei Szenarien für die Praxis:

  1. Heute begonnene Bilanzierungen für Energieausweise laufen nach DIN V 18599:2018-09, solange der Ausweis bis zum 31.12.2026 ausgestellt wird. Zieht sich ein Verfahren über den Jahreswechsel, ist vorab zu klären, nach welcher Fassung bilanziert und ausgestellt wird.
  2. Ab dem 01.01.2027 ausgestellte Ausweise folgen der geänderten Normverweisung — DIN/TS 18599:2025-10 als Berechnungsbasis, Effizienzklassen auch für Nichtwohngebäude, neue Pflichtangaben.
  3. Vorhandene Ausweise behalten ihre Restlaufzeit (10 Jahre ab Ausstellung) und bleiben für ihren ursprünglichen Zweck gültig — auch wenn ihre Methodik dann nicht mehr aktuell ist.

Für strategische Bauprojekte mit Planungsstart Mitte 2026 oder später lohnt sich, in der Vorplanung beide Normfassungen mitzudenken und im Erstgespräch zu klären, welche Bilanzgrundlage zum voraussichtlichen Antragszeitpunkt passt.

Vorbereitung für Energieberater und Planer

Drei Schritte machen jetzt Sinn:

  1. DIN/TS 18599 (2025) beschaffen und die geänderten Berechnungsbereiche identifizieren — vor allem dort, wo regelmäßig bilanziert wird (RLT, Beleuchtung, Wärmepumpen-Module).
  2. Software-Update planen: Die gängigen Bilanzierungs-Programme (ZUB, Hottgenroth, EnerCalC) werden die DIN/TS 2025 schrittweise einarbeiten. Aktualisierungszyklen und Anschaffungskosten zeitlich einplanen.
  3. Kundenkommunikation: Bei laufenden Anfragen mit erwartetem Antrags-/Ausstellungszeitpunkt im 2. Halbjahr 2026 oder 2027 ist eine transparente Information zur Übergangslage hilfreich — gerade bei Förderanträgen, wo Stichtage entscheiden.

Quellen und Stand

  • DIN V 18599:2018-09 — verbindlich bis 31.12.2026
  • DIN/TS 18599 (Oktober 2025) — Technische Spezifikation, verbindlich für öffentlich-rechtliche Nachweise ab 01.01.2027
  • Gesetz zur Änderung des Gebäudeenergiegesetzes vom 23.07.2026, BGBl. 2026 I Nr. 226 (ausgegeben 28.07.2026), Artikel 2
  • Europäische Gebäuderichtlinie EPBD (Neufassung 2024), Umsetzungsfrist Mai 2026
  • dena-Leitfaden Energetische Gebäudebilanzierung nach DIN V 18599 (2023)
  • BBSR-Leitfaden für Energiebedarfsausweise im Nichtwohnungsbau (2022)

Hinweis: Dieser Beitrag fasst den Sachstand zum 22.10.2026 zusammen. Detailangaben zur DIN/TS 18599 (2025) basieren auf den vorliegenden öffentlichen Quellen — verbindlich angewendet wird sie für öffentlich-rechtliche Nachweise ab dem 01.01.2027.